Geschichte
 Notizen zu 30 Jahren Skilanglaufzentrum Silberhütte 

                                                                      

Der Skisport hält Einzug auf den Höhen des Grenzkamms 

Als zu Beginn des vorigen Jahrhunderts das Laufen auf Skiern von Skandinavien her auch bei uns Einzug hielt,suchten die Skibegeisterten im nordbayerischen Raum auf den Höhen des Grenzwaldes nach den für diese Sportart geeigneten Stellen. Auf dem Grenzkamm des Böhmerwaldes fanden sie die passenden Höhenlagen. In Sonderzügen aus dem Raum Nürnberg kamen sie in Flossenbürg an und zogen dann auf Ihren Brettern herauf in den Schneewinter, hinüber bis nach Goldbach in Böhmen. 

 Das Bild zeigt Skiläufer in Goldbach im Jahre 1934
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Der Skilauf der damaligen Zeit hatte noch viel mit der Methode zu tun, die dem Abfahren entgegen kam. Erst in den 50er und 60er Jahren setzten sich bei uns allmählich die schmäleren Bretter durch, die nur zum Wandern oder Wettlaufen geeigneter waren. Der Durchbruck für den Langlaufsport zum Massensport erfolgte mit dem EInzug des Kunstsoffbelags, der als "Schuppenski" das mühsame und geheimnisvolle Präparieren  mit Wachs überflüssig machte. Die Mediziner erkannten in diesem Sport einen idealen Ausgleich, der Deutsche Sportbund griff diese Erkenntnis auf und machte sie mit dem Slogan "Langläufer leben länger" publik. Damit setzte eine Bewegung ein, die diesem Sport zu großer Popularität verhalf und noch immer verhilft.

Das durch das Klima, Wetter und Gelände hervorragend geeignete Gebiet um die Silberhütte zog nun die vom Langlauf begeisterten Menschen an. Neben den Touristen kamen auch die Vereinssportler in die Oberpfälzer Berglandschaft. Der Postsportverein Weiden bot seinen Mitgliedern Schulungen an, veranstalteten die ersten Wettkämpfe. Auch Behörden suchten sich die Silberhütte aus für Veranstaltungen. Der Staffellauf der Bayerischen Grenzpolizei ist noch immer unvergessen, vor allem die Siegerehrungen. Sie setzten Maßstäbe! Der örtliche Skiclub Altglashütte nahm diesen Ball auf. Er veranstaltete zunächst Volksskiläufe, u.a. den bekannten ER+SIE Faschingslauf, und versuchte, mit technischen Geräten Spuren, die man bis dahin selbst mit Skiern gezogen hatte, in den Schnee zu legen und auch Veranstaltungen für die Rennläufer zu organisieren. Die im Zuge der LLL-Bewegung durchgeführten Volksläufe wurden gut angenommen.

Skilanglauf wird zum Breitensport

Aus dem Sport für belächtelte Sonderlinge wurde in kurzer Zeit ein Breitensport, der sich auch auf der Silberhütte durchsetzte. Auf allen Forstwegen, damals noch schmal, suchten die Freizeitsportler das Erlebnis Skilanglauf in der Natur. Das Angebot reichte für die Nachfrage nicht mehr aus bzw. die entsprechenden Einrichtungen fehlten.

Jäger und Forstleute wollten dieser Bewegung einerseits dienen, andrerseits sahen sie sich diesem Andrang gegenüber in einer Problemsituation: Ihre Arbeit wurde problematisch, da die Langläufer die schöne Winterlandschaft zur Gänze in Beschlag nahm.  So ging man dazu über, in bestimmten schneesicheren Höhenlagen für Die Skiläufer Gebiete auszuweisen, um die Bewegung zu kanalisieren. Eines davon war die schon seit den 30er Jahren gern besuchte Gegend um die Silberhütte.

Als von Seiten des Forstes in der Person des leitenden Forstdirektor Dr. Vangerow in Regensburg grünes Licht für ein sog. Skilanglaufzentrum gegeben wurde, setzten sich die Organisatoren des Sports, die Vertreter der Behörden und der Politik und andere zusammen, um dieses Projekt in die Wirklichkeit umzusetzen und die erforderlichen ordnungspolitischen Maßnahmen einzuleiten. Die Chronik erzählt uns ab dem Jahre 1976 entsprechende Bemühungen.

Das Skilanglaufzentrum Silberhütte entsteht

Feste Trassen für Skiloipen wurden vom Forstamt vorgeschlagen, die Mitglieder von Skivereinen halfen bei der notwendigen Ausbauarbeit, die "Dickhäuter" der US-Armee in Grafenwöhr stellten schweres Räumgerät und Personal zur Verfügung, die damalige Gemeinde Hohenthan übernahm die Trägerschaft und die finanzielle Abwicklung der notwendig gewordenen Baumaßnahmen, auch für den Ausbau der Parkplätze, die notwendig wurden - immer mehr Besucher kamen mit ihrem eigenen Fahrzeug zur Silberhütte.

 

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Mit Verordnungen wurden die Loipen als solche für den Skiläufer prädestiniert, die Erlaubnis für ein Spurfahrzeug emissionsschutzrechtlich ausgesprochen. Die Fertigstellung von Loipe, Parkplatz und Wachs- und Duschräumen konnte Ende 1977, genauer am 18.12.1977, mit einer eindrucksvollen Feier abgeschlossen werden, die der damalige 1. Vorsitzende des Skigaus Oberpfalz, Dr. Werner Hein, organisiert hatte. Zahlreiche Ehrengäste wohnten dieser Veranstaltung bei. Ein in vorbildlicher Weise von allen Interessenträgern erstelltes und in der damaligen Zeit einmaliges Projekt stand nun der Öffentlichkeit zur Verfügung.

Schon bald zeigte sich, dass für die Versorgung der Menschen und für die Organisation des Sports die bisherigen Einrichtungen nicht ausreichten. Eine Zeitungsnotiz vom Dez. 1978 berichtet: "Das Verkehrschaos auf der Silberhütte zwingt die Verantwortlichen zu drastischen Maßnahmen. In den nächsten Wochen haben Wintersportler, die ihre Wagen auf der Staatsstraße nahe der Silberhütte abstellen, mit Verwarnungsgebühren von 20 DM zu rechnen..." 


Eine Unterkunft für die Langläufer wird gebaut

Die Silberhütte als Schutz- und Gasthaus versorgte die Sportler zwar mit Getränken und Essen, aber die für eine Wintersportart wie dem Skilanglauf notwendigen Zusatzeinrichtungen wie Toiletten und Räume für Wettkampfvorbereitungen fehlten gänzlich.. Auch die vorhandenen Möglichkeiten zum Wachsen und Umziehen im Keller der Silberhütte wurden zu klein. Der Skiclub ALTGLASHÜTTE nahm zwar große Mühen auf sich und baute in einer bewundernswürdigen Leistung eine Barracke des Truppenübungsplatzes in Grafenwöhr ab und stellte sie am Start und Ziel bei nasskaltem Wetter wieder auf, aber auch diese wurde den Anforderungen des einsetzenden Wettkampfbetriebs, der durch die Austragung von Biathlon- und Langlaufmeisterschaften einsetzte, nicht mehr gerecht. Vor allem die Finanzierung der laufenden Kosten bereitete dem Skiclub große Probleme.  

 

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Der Förderkreis SLZ Silberhütte  wird gegründet

Die Kosten für eine Skilanglauf-Anlage entstehen in erster Linie beim Räumen von Parkplätzen und der Präparierung der Loipen. wurde 1982 ein Förderkreis ins Leben gerufen, der die Aufgabe übernahm, die für diese Anlage notwendigen Mittel zu finden und zu organisieren. Die Bereitschaft der Skilangläufer, durch eine Mitgliedschaft in diesem Selbsthilfeverein das Unternehmen zu unterstützen, war groß. Der Verein wurde in kurzer Zeit zum äußerst wichtigen Organisator für den Betrieb der Einrichtung.

Die Leistungen dieser Selbsthilfeorganisation wurden in den vergangenen 30 Jahren kontinuierlich an die an sie gestellten Aufgaben angeglichen. Die Verbesserungen führten zu einer spürbaren Steigerung der Akzeptanz.

Dank einsichtiger Behörden - Landratsamt Tirschenreuth und Regierung der Oberpfalz, verkörpert durch die Herren Landrat Weigl und Regierungsdirektor Scheurer, konnte 1983/84 eine Skilanglaufhütte errichtet werden, die im nordbayerischen Raum einmalig war. Es wurde ein größerer Wachsraum geschaffen, Toiletten, Räume für die Organisation und den Rettungsdienst eingerichtet. Eine Beheizung mit Nachtstrom macht den Aufenthalt angenehm.

Alle Besucher konnten sich von nun an auf einen Service verlassen, der - obwohl immer noch unentgeltlich von Mitgliedern des Vereins ausgeführt - von vielen Kennern der Szene als vorbildlich bezeichnet wurde und wird. winteraufnahmen_2007-11x_002

Er übernahm nicht nur den Ankauf von entsprechenden Maschinen zur Loipenpflege, er machte es sich auch zur Aufgabe, Mitglieder für die Spurtätigkeit auf Lehrgänge zu schicken. Die laufenden Kosten wie Wartung der Maschinen und Geräte, Einkauf von Treibstoffen und Schmiermitteln, Instandhaltung und Reinigung, Heizung und Malerarbeiten, Telefon- und Versicherungsgebühren sowie der telefonische Informationsservice u.a. mehr sind inzwischen fester Bestandteil der Buchführung des Vereins.

 

 

Skilauf über die Grenze

Die politische Wende im Jahre 1990 war für den Förderkreis Anlass, mit unseren Nachbarn Kontakte aufzunehmen. Es ergab sich die Möglichkeit, über die Grenze hinweg eine Loipe zu errichten. Im ehemaligen Goldbach konnte zusammen mit den neuen Skikameraden ein Grundstück erworben und eine Hütte errichtet werden. Die Grenze durfte anfangs nur mit Ausnahmegenehmigungen über schritten werden, bis 1997 der Übergang Kreuzstein offiziell eröffnet wurde. Der Bayerisch-böhmische Volksskilauf im Januar jeden Jahres findet große Akzeptanz.

winterfotos_goldbach_037Als die Anlage des Langlaufzentrums konzipiert wurde, kannte man nur eine Form der Langlauftechnik, die sogen. Diagonaltechnik: In einer parallelen Spur gleitet der Läufer im Rythmus von schwingenden Armen und Beinen dahin. Seit 20 Jahren hat sich eine neue technische Variante, der Schlittschuhschritt oder vom englischen her die "Skatingtechnik" immer stärker durchgesetzt.

Unterwegs auf der Loipe nach Goldbach 

 

 

Skatingtechnik hält Einzug

Für diese Langlaufform benötigt man keine Spuren mehr, sondern die "Skater" gleiten im rythmischen Bewegungen ahnlich denen beim Schlittschuhlaufen auf glatten Bahnen dahin. Sie brauchen allerdings mehr Platz in der Breite.

Die Trassenführung auf der breit aufgehauenen Ferngasleitungen, die von Anfang an fester Bestandteil der Loipenführung im Bereich des Skilanglaufzentrums ist, erleichterte zunächst die Anlage der Skatingstrecken. Der Anteil der Besucher mit dieser Technik steigerte sich von Jahr zu Jahr, die Nachfrage nach mehr Skatingstrecken stieg. Das bedeutete für die Organisatoren, einmal einen größeren Bereich der vorhandenen Trasse dafür zu verwenden, es bedeutete aber auch mehr Aufwand an Zeit und Kosten, da für beide Techniken präpariert werden muß. Da die Breite des nunmehr alt und repataturanfälligen "Ratracs" nicht ausreichte, wurde der Ankauf eines neuen Pistenbullis und der Neubau einer Garage notwendig. Die Kosten in Höhe von 250.000,- DM konnten wieder mit Hilfe von Sponsoren, Spenden, zum größten Teil aber aus Rücklagen des Vereins und einem Darlehen bestritten werden. Im Jahre 2000 trat die neue Maschine ihre ersten Dienste zur Zufriedenheit von Fahrer und Läufern. Das alte Gerät wurde vom Verein in vielen Arbeitsstunden (Walter Siegfreid und Co.) und mit nicht geringen Kosten immer wieder einsatzfähig gemacht, um im Notfall und bei zusätzlichem Bedarf keinen Engpass bei der Betreuung der Loipen entstehen zu lassen.

Bau einer Beschneiungsanlage 2009

Bau eines Funktionsgebäudes 2013

Bau einer Laser-Biathlon-Schießanlage 2014

Mehr als Zahlen zählt jedoch der gesundheitliche Wert, der von dieser Einrichtung ausgeht. Aus der Zeit der Entstehung stammt noch der Begriff Lebensqualität. Dazu hat das SLZ Silberhütte bestimmt einen großen Beitrag geleistet.